Zwickau im Wandel der Zeit – das Historische Markttreiben entführt in drei Epochen der Stadtgeschichte

Das zweite Septemberwochenende – in diesem Jahr der 8. und 9. September – steht traditionell im Zeichen des Historischen Markttreibens. Im Jubiläumsjahr der Stadt bekommt es ein neues Gewand und verführt, „Zwickau im Wandel der Zeit“ zu erleben.

An beiden Tagen wird der Markt 11 Uhr zusammen mit allen Beteiligten am Domhof eröffnet und lädt am Samstag bis 22 Uhr und Sonntag bis 18 Uhr zum Bummeln ein.

Das Neue an der thematischen Ausrichtung ist, dass sich auf jedem der drei großen innerstädtischen Plätze (Domhof, Haupt- und Kornmarkt) eine andere Epoche vorstellt und sich dabei Episoden der Zwickauer Stadtgeschichte widmet. Illustriert wird die Szenerie durch liebevoll dekorierte Stände und kostümierte Händler und Künstler. Doch auch die Gäste sind herzlich eingeladen, im zeittypischen Gewand zum Markt zu erscheinen. Sie werden Teil der Szenerie und einer Reise durch die Zeit.

Unterstützt wird das Historische Markttreiben auch in diesem Jahr durch die envia Mitteldeutsche Energie-AG.

Drei Plätze drei Epochen: Reformation, Musik, Technik und Handwerk

Der Domhof mit den Priesterhäusern und St. Marien steht ganz im Zeichen des Mittelalters und der Reformation. Diese Zeit des Umbruchs hatte auch für Zwickau weitreichende Folgen, besaß doch die Stadt einen Rat, der in engem Kontakt zu Luther und den Reformatoren in Wittenberg stand. Mit Müntzer predigte Luthers glühendster Anhänger an den beiden großen Kirchen der Stadt bevor er – dem Fanatismus verfallen – entlassen wurde. Zur Schlichtung der daraus entstandenen Konflikte bat man Luther nach Zwickau, der daraufhin 1522 vier Mal in der Stadt predigte.

Die Ausgestaltung der Fläche übernimmt Heureka Leipzig, die seinerzeit 2014 schon das Festival der Reformation in Zwickau gestalteten. Heureka-Marktmeister Heiko Guter formuliert es wie folgt:

„Um den ehrwürdigen Zwickauer Dom erwartet den geneigten Besucher ein historischer Markt aus der „guten alten Zeit“, so wie es sie nie gegeben hat. Lassen Sie sich beim Lichterschein der Fackeln und Ölfunzeln und der Ruhe des Domhofes die entschleunigte Atmosphäre aufs Gemüt legen. Doch Historienspektakel bedeutet vor allem kurzweiliges Amüsement und Aktionen für Kinder und die ganze Familie. Die Mitmachhandwerkerstände wie Tischlerei, Bogenbauer, Korbmacherei, Schmiede wollen zeigen, dass eigener Hände Arbeit es vermag, zu erklären, warum die weltweitgereisten Waren der „großen Kaufleute“ nicht ihren wahren Wert offenbaren. Die Attraktion des Platzes ist ein futuristisches Gerätum namens Handkurbelriesenrad. Hier geht es vertikal die Runde und den kleinen Fahrgästen kribbelt es ganz schön im Bauch, wenn die Kurbler, nur mit Armkraft, unter lautem Gekreisch der Bälger, allzu kräftig drehen. Auch wird behauptet, es sei das einzige handbetriebene Riesenrad der Erdenscheibe. Ein Ablasshändler wird erscheinen und dem Volk, was derzeit nicht recht weiß was es denken soll, die Arme der alleinseligmachenden Mutter Kirche reichen und obendrein die Laster und Sünden gegen bare Münze abgelten.

Arglos wird der Gaumen zur Freude gereizt werden, beim Schmausen an den Tavernen, bei den Wurst- und Garbrätern und Fladenbrotständen. Spießbraten, Backwaren, Pfann- & Eierkuchen und Fladen- & Knoblauchbrote werden vor den mitgebrachten Augen gefertigt. Althergebracht wird auch serviert werden, man isst mit der Hand, neumodisch Faltgeschirre zum Hinwegwerfen ist verpönt und war auch überhaupt nicht üblich. Das „Pyrre“ ist wirklich wie früher nach echtem Reinheitsgebot gebraut und wird daher heutzutage auch biologisches Bier genannt.

Zum Spektakel anreisende Kaufleut, Handwerker und Krämer

Zahlreiche Handwerker und Hökerer aus allen Teilen des Landes haben ihre Stände aufgeschlagen, um bei ihnen segensreiche Gaben nach guter Sitte und altem Brauch, zu handeln und zu feilschen. Das altehrwürdige Handwerk und seine Zünfte, zu Beschauen noch auf den historischen Jahrmärkten und Belustigungen. Diese oder jene unbekannte meisterhafte Hantierung als da wären die Bognerei, ein Maler & Porträtist, Schmiede, Holzkrämerei, Töpferei, Urformholzerei, der Böttcher, Beutelmacher und Lederschneider, Duftkrämer, Silberschmied, ein Farbenkocher und Steinreiber, die Filzerei, Gewandschneiderei, Holzschnitzer und Drechsler, ein Steinmetz, die Korbflechterei, ein Gewürzhändler und viele andere nützliche und schöne Dinge.

Die Spilluden, Possenreißer und Komödianten

Auf der Bühne wird eine Attraktion nach der anderen, den Besucher aufs Trefflichste amüsieren. Die Spielereien der Vaganten und Gaukler beginnen nach der Markteröffnung und erfolgen ohne Unterlass bis in die Nacht nach dem Plane der an Bühne angeschlagen sein wird. Das „Gaudium der Spielleute“ ist das Tagesabschluss-Spektakel mit Mumenschanz, Schabernack, Musike und Feuer-Spektakel.

Flora & Faun – aus sächsischen Landen, sind ein Paar der unzertrennlichen Art. Sie stolziert in drei Metern Höhe und der Faun umtanzt musizierend die grüne Schönheit.

Der Marktmeister und Verkünder Heinrich Konrad der Gote wird dem geneigten Publikum die Maximen zum Spektakel verheißen. Er ist darauf bedacht, dass die heilige Ordnung auf dem Plane nicht ins Wanken gerät.

Die Schmierenkomödianten „Rokus Kokus“ bringen die Neuigkeiten und Intrigen der fremden Königshäuser in Wort und Bild. Köstlichstes Schmierentheater, ungewollte Entzückungen, merkwürdige Fabularien und Sprachgrotesken der ungehörten Art.

Das Duo Rapauken – in ihrer unübertroffenen Redseligkeit, ihrer bewundernswürdigen Spielkunst und absonderlichen Komik eine Weidung für entnervte Neuzeitmenschen. Staunend machen die unglaublichen Attitüden des weitgereisten Gaukler und Narren Xander. Er versteht es, Gegenstände gleich Zauberhand chronistisch durch die Luft wirbeln zu lassen. So bewegen sich Bälle, Diabolos und Keulen scheinbar schwerelos in der Luft. Seine Spezialitäten sind Verbaläquilibristik und Zwerchfelldemolition. 

Die Spielleute der Heurekapelle „In Validus“ reformieren beständig ihr Liedprogramm „Wir Kunden – nicht anders“ und offerieren Vagabundenlieder aus sechs Jahrhunderten. Sie spielen in der Art der fahrenden Spielleute des Mittelalters bis zum letzten Jahrhundert. Die Instrumentierung ist klassisch orientiert mit Dudelsäcken, Cister und Schlagwerk.“

Ebenso wird sich das Historische Dorf auf dem Areal des Domhofes präsentieren.

Auf dem Hauptmarkt ist die Schumann-Zeit zu Gast

Der Hauptmarkt mit Rathaus und den hübschen Bürgerhäusern ist die Kulisse für die Zeit Robert Schumanns. Der berühmte Komponist wurde im Eckhaus am Hauptmarkt 1810 geboren  und verlebte hier Kindheit und Jugend. Mit hübsch dekorierten Ständen, verschiedenen Handwerkskünsten und in die Zeit passenden Programmpunkten, wandelt man auf den Spuren der Biedermeierzeit. Auf dem Ostspiegel kann man dem Geschichtenschnitzer lauschen oder sich über die Historie des Fahrrades informieren. Die kleine Ausstellung bietet auch das eine oder andere Objekt für eine Proberunde.  Ebenfalls auf dem Ostspiegel ist der Reitverein Zwickau zu Gast.

Lange bevor es den elektrischen Rasenmäher gab, benutzte man ein anderes Gerät zum Kürzen der Wiese – die Sense. Wer Tiere besitzt, wird noch heute auf die Gerätschaft zurückgreifen, um Heu für das liebe Vieh zu machen. Eine kleine Ausstellung widmet sich dem Mähen mit der Sense. Außerdem gibt es Schauvorführungen im Dengeln – also dem Schärfen. 

Außerdem erwartet Zwickau am Samstag 15 Uhr noch einen besonderen Gast: Aus dem Barock eingeladen, ist August der Starke, der zu einer Audienz vor dem Rathaus bitten wird. Zum Abschluss des ersten Markttages wird es 21 Uhr vor dem Rathaus noch eine Feuershow mit Ignis Draconis geben.

Doch auch bekannte Gesichter begegnen einem zwischen Haupt- und Kornmarkt. So wird es Auftritte mit Reichlich Schabernack mit Biedermanns Bänkelsang, den Hofheimer Moritatensängern oder Schrebers Erben! und ihrer Akrobatik anno 1900 (nur am Sonntag) geben. Für Momente voller Spannung und Überraschung sorgen Narrateau der Zauberer und Zirkus Meer mit ihren artistischen Showeinlagen. In jedem Jahr ein besonderes Schauspiel sind die Grenadiere der Kaisergarde Frankreichs, die auch dieses Mal wieder durch Zwickaus Gassen marschiert.

Neben all den Künstlern gibt es zudem zahlreiche Vereine, die für ein buntes Treiben auf der Fläche sorgen, so z.B. der Cainsdorfer und Planitzer Schnitzverein, die Stadtmission Zwickau e.V., der Verein der Zwickauer Köche oder der Zwickauer Münzverein. Das Theater Plauen-Zwickau wird ebenfalls auf dem Marktplatz vertreten sein. Das erste Mal dabei sind Barthel Zinn aus Freiberg, die Zinnprodukte anlässlich der 900-Jahrfeier präsentieren sowie die Naturseifenmanufaktur, die mit der Herstellung von Blütenseifen auch ein Kinderangebot im Gepäck hat. Ebenfalls auf dem Hauptmarkt präsent, sind das Stadtarchiv und die Ratsschulbibliothek. Das Stadtarchiv wird unter anderem die neueste Ausgabe des Bändchens „Cygnea“ sowie die neue Auflage des Postkartenkalenders für das Jahr 2019 präsentieren. Am Stand der Ratsschulbibliothek bekommt man Einblicke in die Kunst des Papiermarmorierens und der Buchbinderei. Bei den KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU gibt es für Kinder die Möglichkeit der Schmuckbastelei, außerdem wird es eine kleine Mineralienausstellung geben, die Einblicke in den großen und vor allem Wertvollen Bestand der Sammlung offenbart. Vor dem Robert-Schumann-Haus wird es einen zentralen Verkaufsstand für alle Fahrkarten der Stadtrundfahrten mit dem Pferdeomnibus bzw. dem historischen Roburbus geben, an dem man auch das eine oder andere Souvenirs des Stadtjubiläums erwerben kann.

Technische Entwicklungen und mobile Traditionen – der Kornmarkt

Mobil und technisch geht es auf dem Kornmarkt zu Werke. Der Platz an der Westsächsischen Hochschule widmet sich dem Zeitalter der Industrialisierung, dem Automobilbau sowie dem beginnenden 20. Jahrhundert. Als Partner stehen hier auch die Westsächsische Hochschule mit einem Stand sowie das August Horch Museum.

Eine besondere Kulisse für ein schönes Erinnerungsfoto bietet der Teslamat. In ihrem nostalgischen Photokabinett entführen der Graf und die Gräfin von Tesla alle Besucher in eine andere Zeit.

Das August Horch Museum hat nicht nur jede Menge interessante Informationen rund um die Geschichte des Zwickauer Automobilbaus im Gepäck, sondern auch einige wunderbare motorisierte Exemplare. Zudem kann man sich am Stand des Museums für eine Rundfahrt im Horch 951 anmelden.

Die Westsächsische Hochschule bietet neben Führungen und allerlei interessanten Informationen und Mitmachangeboten am Stand noch einen besonderen Programmpunkt. Am Samstag 15 und 16 Uhr entführt Prof. Mirko Bodach, Prodekan der Fakultät für Elektrotechnik, in seiner Vorlesung in die „Historia Mobilitatis“: „Im Vortrag „Historia Mobilitatis“ werden beginnend vom Pferdefuhrwerk insbesondere die elektrisch angetriebenen Straßenfahrzeuge mit ihren Vor- und Nachteilen von der Historie bis heute betrachtet. Wieso hat sich das Elektromobil nicht schon im Jahre 1900 durchsetzt? Was ist heute anders? Wo könnte die Reise hingehen?“, wirft er selbst einige Fragen auf, die in seinem Beitrag beantwortet werden sollen.

Gerade der Bergbau profitierte durch die industrielle Revolution, gab es doch Maschinen, die die Arbeit unter Tage erleichterten und sicherer machten. Auch der Steinkohlenbergbauverein Zwickau e.V. wird mit einem Stand auf dem Markt vertreten sein. Ebenfalls auf dem Kornmarkt wird der Stand des Kulturamtes stehen, das auch in diesem Jahr mit einem Bastelangebot auf Kinder wartet. Gebastelt werden Windlichter mit unterschiedlichen Motiven. 

Die Straße der Innungen

Direkt angrenzend in der Keplerstraße geht es um die Handwerkskunst. Die Straße der Innungen widmet sich unter Teilnahme der Zwickauer Kreishandwerkerschaft der Tradition von Handwerk. So geben, Dachdecker, Bäcker, Tischler, Fliesenleger, Ofensetzer, Schmied und Raumausstatter nicht nur Einblicke in Ihre Zunft wie sie heute ausgeführt wird, sondern haben auch das eine oder andere aus der Historie zu berichten.

Was machen Mönch und Nonne gemeinsam auf dem Dach? Welches Brot aß man vor 1000 Jahren? Wo wurden die ersten Kacheln verbaut und seit wann gibt es Heizungen? All diesen Fragen lässt sich in der Straße der Innungen nachspüren.

Das Robert-Schumann-Haus bieten an diesem Wochenende längere Öffnungszeiten und Sonderprogramme. Verkaufsstart ist für Cygnea und den historischen Postkartenkalender des Stadtarchivs.